mc kutti ist scheisse

[to my potential english readers: something in german for once, sorry]

endo anaconda nennt ihn die literarische hoffnung der schweiz, aeschbacher lädt ihn in seinen gleichnamingen, gespürig-biederen sfdrs talk ein, und sogar der von mir hochrespektierte martin heller [expo 02 leiter] gibt bei ihm einen videoclip für sein neues projekt agent-provocateur.ch [3] in auftrag (den er notabene in seiner üblichen nochchalance verhunzt [4]).

jürg halter aka mc kutti [1] oder kutti mc ist kult. und wird seit einiger zeit in den medien und bei den kulturmachern dieses landes durchgereicht.

ich bin verwirrt wie so etwas geschehen konnte, vermute dass dem ganzen eine riesige verwechslung zugrunde liegt und treffe mich mit szenekenner nennen-wir-ihn-fritz [5] im progr um ihn auszufragen.

zuerst gilt es zu klären, was kutti (= mc kutti, kutti mc und jürg halter) denn nun eigentlich ist? ein rapper ist er ja nicht, wie er jedenfalls selber sagt. vom image des slam poets hat er sich in diesem letzten jahr verabschiedet. via die gerüchteküche habe ich erfahren, dass er diesen abschied von der slam bühne beim grössten national slam in deutschland inszeniert zelebrieren wollte, bloss hat dies dort keinen gekümmert (hach, sind gerüchte geil). also was ist er denn jetzt? ein dichter? ein poet? eine literarische hoffnung? ein nicht-mal-möchtegern-rapper?

egal, fangen wir trotzdem beim rapper an, denn immerhin hat kutti letztes jahr eine hiphop cd herausgebracht.
ich sag also, der kann doch einfach nicht rappen. und wenn einer nicht rappen kann, dann mag es vielleicht eine zeitlang kult sein, aber irgendwann sollte man wieder sagen, der kann nicht rappen und den respekt zur big zis [2] oder zum lügner rüberbeamen, die ihn verdienen. ja, schon kontert nennen-wir-ihn-fritz, aber kutti hat sein nicht-rappen-können so cool inszeniert, und sich zudem wirklich fette beats organisiert. und der PR trick mit der meersau war schlau und witzig. stimmt schon, gebe ich zerknittert zu, sogar die de:bug fand ihn ja komischerweise cool. dann liegt es also bloss an mir, dem es beim anhören seiner mickrigen raps fast das zahnfleisch reinsaugt.

erste feststellung: kutti inszeniert sich meisterlich.

als nächstes fragen wir uns, ob er denn bloss ein junger zyniker ist, der sich hinter seiner alles-ist-scheisse posse versteckt. und zynismus ist bekanntlich die einfachste haltung um sich zu verstecken, quasi gratis – sagt man so in mundart und ich weiss jetzt gar nicht, ob das deutsch-deutsch ist. egal. auch hier wendet nennen-wir-ihn-fritz kluges ein. er sagt, einerseits stimmt das schon, ist halt ne postmoderne form, zuweilen etwas abgedroschen. andererseits kann kutti gut beschreiben, besonders das hässliche, das schlechte auch. das fährt jeweils voll ein. und ist nicht mal peinlich, weil er es nicht auf das publikum abwälzt, nicht rauskotzt , sondern es auch trägt, das hässliche. er setzt dazu seine ganze figur ein und sowas muss man erst mal aushalten. dafür respektiert er ihn. aber wenn er zum beispiel einerseits die reitschulgänger disst, sich dann aber von ihnen eine plattenrelease party basteln läst, dann ist das so mutig wie unverschämt.
ich, wieder zerknittert, ja ja.

zweite feststellung: kutti gibt sich gut hässlich.

ich greife zu meinem letzten argument. der kutti ist doch authistisch UND der ist mit solchen scheuklappen erfolgsorientiert, dass er über leichen geht, oder zumindest gehen wird. als ich ihn bei aeschbacher am tv gesehen habe – und ich habe da nur so zufällig reingezappt, lenke ich schnellstens ein – da schossen seine antworten wie vorbereitet aus ihm raus, emotionslos, schnippisch. aber irgendwie war er als person nicht da. er lächelte, aber da war niemand. und wie ein authist ist ihm aufmerksamkeit das wichtigste und wie er diese generiert ist ihm egal. hierzu hat nennen-wir-ihn-fritz nicht viel zu sagen. er fragt sich schon auch manchmal auf welchem trip er ist der kutti. authismus bleibt also vorläufig mal meine these. ich hab mal mit authisten gearbeitet und meine natürlich tendenziell authistisch. solche dinge kommen ja in graden und ich wurde auch bereits als authistisch bezeichnet. von mir selber. he he. take that, freud!

dritte festellung: kutti ist gerne das arschloch.

wir reden dann von anderem zeugs, zum beispiel darüber warum jamie lee mit smartship friday niemals den erfolg hatte wie jael mit lunik? und jetzt wo ich dies schreibe fällt mir auf, eigentlich is es das gleiche thema mit anderen personen.

später kriege ich noch den punkt mit der riesigen verwechslung zusammen. was ich damit gemeint habe hat damit zu tun, wie immer schneller trends aus dem underground – gibt es den überhaupt noch? – in die mainstream medien rüberschwappen. es tönt verdammt nochmals anders wenn ein chlyklässler den kutti cool findet als wenn ich es plötzlich im blick lesen oder aus aeschbis mund hören muss. vielleicht ist es also an der zeit, dass die subkultur (falls es eine solche noch gibt) sich vom kutti wieder verabschiedet (wie er sich auch von uns – falls es uns gibt – verabschiedet hat). mal sehen ob die mainstreams es uns, ich sag die einschränkung jetzt nicht noch einmal, auch nachbeten werden. aber wohl eher nicht, bei lunik hat diese strategie bekanntlich auch nicht geklappt…

die schweizer mainstream medien und kulturschaffenden sind eben treue kunden. wer ins körbchen aufgenommen wird hat dort auch sein sicheres plätzchen.

[1] http://www.kuttimc.com/
[2] http://www.bigzis.com/
[3] http://agent-provocateur.ch/
[4] http://agent-provocateur.ch/ap62
[5] name der redaktion bekannt

About Jan Zuppinger

Jan Zuppinger has been writing this blog since 2002. He likes to grow vegetables. He likes to eat them too. He has opinions on everything, but sadly no one cares. Jan Zuppinger is not joking, just joking, he is joking, just joking, he's not joking. *click.