Blogumne – 00009 eine generation von sendern

oh mann. was für eine tragödie. mich beschäftigt dieses wochenende eine enorm peinliche geschichte. noëmi, 20, behauptet einen one-night stand mit robbie williams gehabt zu haben und lässt sich damit durch die medien wälzen. dies ist eigentlich nicht weiter erstaunlich, es haben schon andere versucht aus ihren affären mit promis kapital geschlagen. aber bei noëmi, 20, ist es irgendwie krasser. wir erfahren von ihr soviele details, dass selbst einem klatschjunkie wie mir fast die schamröte ins gesicht steigt. ja hat die denn keine grenzen, mann? wir erfahren von noëmi, 20, wie oft, in welchen positionen und wo sie es mit robbie getrieben hat (3 x – in verschiedenen – couch, dusche, bett). wir wissen, dass sie ihren freund (inzwischen ihr ex-freund) unten in der bar zurückgelassen hat. die zeitung (ja klar, die …) hat sie sogar zu erotikphotos überredet und kommentiert “Robbie hat Geschmack!”. schliesslich, am samstag, wird es stalkermässig; noëmi, 20, teilt uns den wortlaut ihres verzweifelten liebesbriefes an robbie mit. auf dem photo sieht man, wie sie den brief einwirft. am sonntag bereut sie alles bereits wieder und stellt lakonisch fest “ich weiss, dass sich morgen niemand mehr für mich interessiert”.

noëmi, 20, hat sich übrigens von sich aus bei der zeitung gemeldet, weil sie daselbst hatte lesen müssen, robbie habe die nacht in zürich, nach seinem benissimo auftritt, alleine verbracht. so eine lüge musste sie natürlich richtigstellen. naja.

warum beschäftigt mich diese geschichte bloss so sehr? ich finde sie grausam. es ist wie die reflex-reaktion jemanden zudecken zu wollen, der sich in einer sehr verletzlichen lage befindet – etwa nackt in der öffentlichkeit. soweit ziemlich normal. mich schockiert aber wie gesagt vorallem, wie weit noëmi, 20, gegangen ist in ihren ausführungen. meist wird bei solchen bekenntnissen bloss mit ein paar andeutungen gespielt. hier erfahren wir alles.

ich frage mich, wie sich diese unabgegrenztheit erklären lässt. sehen wir hier eine direkte auswirkung von reality TV, aber möglicherweise auch von blogs? selbstdarstellung, in all ihre formen, ist so omni-präsent, dass wer auffallen will immer krassere methoden anwenden muss? es gäbe dafür tausende von beispielen, ich kann mir solche zum glück nie merken (wär ja noch schlimmer, wenn ich mit solchem müll einen teil meines langzeitgedächtnisses formatiert hätte). aber ein aktuelles beispiel gibt es noch. vor ein paar tagen hat ein typ aus san rafael, kalifornien, auf craigslist.org eine nacht mit seiner freundin im tausch für eine xbox 360 angeboten. die xbox 360 sei bei ihnen bereits ausverkauft, sie hätten eh kein geld und seine freundin wolle ihm dies zu weihnachten schenken. krass. aber es funktioniert. denn siehe da, wir reden darüber.

okay, eigentlich ist dies alles wirklich scheissegal. komplett unwichtig. dies soll auch keine anklage gegen die medien sein; die bringen einfach was die leute lesen/sehen wollen. als leser/zuschauer mache ich mich mitschuldig indem ich diesen quatsch konsumiere. und ich persönlich muss mein verfälschtes selbstbild immer weiter nach unten korrigieren (ein durchwegs positiver nebeneffekt), denn wie die fliegen zum scheissdreck zieht es auch mich zum klatsch. ich sollte unbedingt mal wieder medienfasten…

immerhin, ich bin offensichtlich noch nicht zynisch genug, um mich abgebrüht davon zu distanzieren, sondern lasse mich dadurch noch in ein wechselbad der gefühle bugsieren. den voyeuristen in mir amüsierts, aber ein anderer teil von mir erstickt fast vor mitleid. diese leute verheizen sich doch, denke ich, das schamgefühl meldet sich bestimmt bald bei ihnen. und dann sehe ich sie schlaflose nächte durchschwitzen, wie ich manchmal…

noëmi, 20, möchte ich einen älteren artikel im vice empfehlen, den ich erst gestern entdeckt habe. in STALKING Für anfänger – Wie ruiniere ich ein Leben beschreibt die autorin ihren selbstversuch als stalker. das ist köstlich geschrieben und würde auch noëmi einen eleganten ausweg bieten. das ganze war bloss ein experiment, könnte sie sagen, eine soziale studie. eine solche oder ähnliche distanz zum eigenen “ich” wäre denn auch die einzige methode sich mit ehrgefühl aus einer solchen situation zu retten.

und bedanken möchte ich mich bei noëmi, 20, denn in ihrer detailgetreuen schilderung hat sie auch diejenige frage beantwortet, die uns männer in solchen situationen jeweils am meisten interessiert: robbie williams ist nur “durchschnittlich” bestückt. ufff.

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