Blogumne – 00012 DJ antoine verwechselt glaub was

dj antoine © silversite.com

meine glanz & gloria phase ist an sich bereits wieder vorbei, aber am letzten freitag schaue ich mir die hausgemachte klatschsendung auf SF, formarly known as SF DRS, wieder mal an. und es lohnt sich, weil sie zeigen einen bericht über DJ antoine, “einen der bekanntesten und erfolgreichsten DJs der schweiz, der in der ganzen welt auflegt. und er liebt luxus, was er auch immer wieder demonstriert. darum geniesst er es auch umso mehr, wenn er an einem besonders luxuriösen ort auflegen darf, wie in st. moritz”. oh goodie, sage ich mir bereits während der ansage, stoff für meine Blogumne…

yo DJ antoine, rufe ich ihm nun also von meiner kleinen, bescheidenen ecke hier im internet aus zu, wenn du dich das nächste mal ego googlest und diesen text eventuell auf den hinteren seiten irgendwo findest, dann lass mich dir sagen, du verwechselst da glaubs was. als DJ hast du zwar ein skill, nämlich die fähigkeit andere leute zum tanzen zu bringen. aber bitte vergiss nicht, primär ist dies ein privileg, darauf darfst du dir bitte keinen kopf machen. du spielst bloss die platten anderer leute ab. und wenn ich könnte würde ich dieses wörtchen bloss hier doppelt oder dreifach fett schreiben, und ich bin sogar versucht es zu CAPPEN. und ich cappe nie.

ein paar leute werden jetzt möglicherweise reagieren. stimmt nicht, einige DJs, so auch DJ antoine, produzieren auch selber platten. richtig, aber angefangen haben sie als plattenleger. die tatsache, dass gewisse DJs mit dem erfolg später selber musik produzieren, sagt in der regel mehr aus über eine gute PR abteilung als über irgendetwas anderes, wie zum beispiel musikalisches talent. die meisten dieser ‘star-DJs’ geben für die musik eh bloss ihren namen her; sie haben leute, die für sie die musik komponieren und produzieren. und was heisst schon musik in diesem zusammenhang? kann ich auch, gebt mir einen fetten computer, ein noch fetteres werbebudget und ich produziere euch einen hit. easy. das wissen wir doch bereits seit dem 1989 veröffentlichten The Manual: How to Have a Number One the Easy Way, dem kultbuch von KLF.

aber zurück zu DJ antoine. wir sehen ihn beim shopping in einer nobelboutique in st. moritz, wo er sagt, “fashion ist für mich sehr wichtig, weil ich denke, dass das sprichwort ‘kleider machen leute’ absolut zutrifft. vorallem im clubbing/nightlife bereich ist es wichtig, dass die leute auch entsprechend dressed in den ausgang gehen. es ist weniger wichtig, ob jetzt jemand im jay lindeberg, gucci oder dolce & gabbana dress rumläuft, es muss einfach fashion-able sein”. say what? ach so, der gute meint fashionable; bei ihm tönt das wort jedoch wie die beiden worte aneinandergereiht, fashion able, ungefähr wie “fäschiöneibel”, mit oberargauerischem akkzent. und bereits nach dieser ersten aussage ersten merken wir, dass der ‘star-DJ’ fast soviele englische wörter in seine rede droppt wie … huch .. ich. naja, ich sprech es wenigstens korrekt aus. argh.

“es ist mir wichtig, dass die schönen frauen an meine parties kommen und ich lade immer gerne ein paar von ihnen ein. ich bin ein ästhet, darum mag ich es wenn schöne leute kommen. ich bin gerne in guter gesellschaft, mit tollen leuten unterwegs. schönheit ist relativ. es muss einfach eine person sein, die ‘lässig’ ist. es muss nicht immer nur schön sein, jemand ‘wüstes’ kann auch wieder toll werden”. okay. da war irgendwo ein riesiger schwenker drin, gerade noch gerettet. hat sich dj antoine rechtzeitig daran erinnert, dass sich seine cd’s nur dann rentieren, wenn sie auch von hässlichen menschen gekauft werden, solchen die sich möglicherweise seine exklusiven jetset abende in st. moritz nicht leisten können oder sich nicht wagen dort aufzutauchen?

als nächstes sehen wir DJ antoine in seinem hummer! im pelzmantel! zu einem ‘edelrestaurant’ fahren, wo er zweihändig! versucht die spaghetti! auf seine gabel aufzurollen, und bitte entschuldigt die vielen !. schade, auch dies misslingt. “ein gewisser luxus gehört sicherlich dazu, auch als dank dafür was man alles erreicht hat”. merke, spaghetti sind luxus. ich esse also jeden sonntag luxuriös. und “man sieht ja meistens immer so alt aus wie man sich fühlt oder wie man sich benimmt. also ich würde mal sagen, ich habe glück gehabt … pheew”, sagts mit einer geste bei der er sich symbolisch mit der hand über das gelierte haar streicht. was denn, findet er etwas dass er gutsieht? freut mich für ihn, weil im TV wirkt er aufgedunsen und speckig. aber egal, mir muss er ja nicht gefallen.

womit wir bei dem thema angelangt wären, welches uns alle brennend interessiert. wie hält DJ antoine es mit flirts? zuerst weicht er aus “ich habe nichts gegen nette bekanntschaften, man muss einfach klar unterscheiden zwischen fan/groupie oder wirklich echter bekanntschaft.” der journalist inistiert, “hand aufs herz, wieviele groupies hast du bereits mit heimgenommen”. “es ist sicherlich auch bereits vorgekommen, aber es soll nicht an der tagesordnung sein”. oh je, der hat ja doch schwiegersohn potential.

der glanz & gloria redaktion möchte ich hier noch ein kränzchen winden, solche sachen machen die echt ziemlich gut, sprich mit der nötigen ironie. auch die moderatorin nadja zimmermann hat nach dem bericht wieder einmal ihren “oh-je-was-mach-ich-bloss-hier” blick drauf, der das ganze rettet.

wie anfangs erwähnt hat ein DJ hat ein riesiges privileg, er darf leute zum tanzen bringen. manchmal ist es wie ein rausch, ein wirklich erhabenes gefühl, fast wie macht. und ich gebe zu, in meiner zeit als aktiver DJ ist es mir auch ein paarmal fast ein bisschen in den kopf gestiegen. aber da muss man aufmerksam bleiben und die relationen nie vergessen. der satz “last night the DJ saved my life” sagt es eigentlich alles; letzte nacht hat der DJ mein leben gerettet, heute ist er bloss ein typ mit einer grossen plattensammlung.

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