Blogumne – 00017 WoW desillusion

och nein, nicht schon wieder ein WoW geschwafel. sag ich selber auch. aber heute muss ich mal wieder über diese verflixte World of Warcraft schreiben, denn vor ein paar tagen gabs beim spielen den n1gger vorfall. schrecklich. aufwühlend. desillusionierend.

letzten mittwoch. wir befinden uns gegen ende einer elite quest. elite quests sind aufgaben, welche man nur als gruppe lösen kann, weil die gegner sonst zu stark sind. seit über einer stunde sind wir zu fünft unterwegs. das ziel vor augen. unsere gegner sind die vilebrach trolls. trolls sind ziemlich attraktive, grünhäutige gestalten, die aussehen wie riesige, elegante rastas, langgliedrig und schön. wir kämpfen gerade gegen eine weibliche variante, glaubs eine vilebranch blood drinker, ich weiss uhhh… die tragen kurze rote ledershorts und ziemlich knappe tops, ich weiss, mmhhhhh… ich sage also, so halb zum witz, “mann, ich hasse es solche sexy gegnerinnen umbringen zu müssen”, ich gebe zu, ein standardwitz meinerseits. als reaktion gibt es wie gewohnt einige “lol”‘s. doch einer meiner mitspieler antwortet: ” i h8 them” “they look like n1ggers” “so i dont think they are sexy”. n1gger schreibt er so, weil es sonst im WoW parser hängen bleiben würde, der das wort dann gescrambelt darstellt, etwa so: *&%#@.

schock. dreimal leer schlucken. soll ich die sache einfach ignorieren? nein. unmöglich. ich frage ihn also, ob er ein rassist sei? worauf er zurückfragt, warum? bloss weil ich einen n1gger einen n1gger nenne? ich, ja klar. dieses wort ist nicht ok. er, ach gott sei doch nicht so zimperlich. ich, wir haben doch bloss die sprache, mann, mit sprache drücken wir unsere weltanschauung aus. und speziell hier in einem chat haben worte und wortwahl eine grosse bedeutung. er, denken jetzt alle ich sein ein rassist bloss weil ich einen n1gger einen n1gger nenne? ein anderer mitspieler schaltet sich ein, ich denke nicht, dass du ein rassist bist [streitet jetzt bloss nicht, wir sind fast am ziel]. ich, hmmm [ich überlege, ob ich konsequenterweise aufhören müsste mit ihm zu spielen?]. er, da vorne, den typen brauchen wir [er lenkt ab]. ich, seufze. und spiele weiter. oh lord. ein betrug an mir selber und an meinen prinzpien? doch andererseits, wenn ich zu diesem zeitpunkt aussteigen würde, wäre dies ein betrug an den drei anderen mitspielern, die ohne mich diese elite quest nicht fertigspielen könnten. ein echtes dilemna. naja. aber irgendwie schon

wer mich kennt weiss, dass ich gerne über dinge nachdenke. ich stürze mich einerseits rein in die sache und spiele WoW wie echt, vollgas, gleichzeitig interessiere ich mich für den sozialen, psychologischen und politischen kontext und überlege mir dauernd, was dies alles zu bedeuten hat. in letzter zeit bin ich auf zwei artikel zu WoW gestossen, die mich beide ziemlich aufgewühlt haben. einerseits “Alone Together” in World of Warcraft? bei dem der autor Nicolas Ducheneaut anhand von benutzerdaten feststellt, dass es sich zwar um ein multi-user environment handelt, bei dem aber die meisten spieler einen grossteil ihrer zeit alleine spielen und sich eigentlich nur in der illusion wähnen mit anderen spielern zusammen zu sein. im zweiten artikel World of Warcraft Teaches the Wrong Things fragt der autor david sirlin was uns spiele beibringen. er löst sich dabei von einer moralischen, generellen kritik an video games und schafft es eine sehr differenzierte kritik zu schreiben. WoW, so findet er, bringt den spielern die falschen dinge bei. fleiss wird überbewertet, es herrscht zuviel gruppenzwang, die regeln sind zu starr.

was sagen mir diese beiden theoretischen auseinandersetzungen in bezug auf den n1gger vorfall?

die ersten studie lässt sich eigentlich ausweiten. selbst wenn sie in gruppen spielen sind WoW spieler eigentlich alleine, denn sie wissen eigentlich verdammt wenig über ihre mitspieler. sie sehen die spielfigur und irgendeinen fantasie namen, aber hinter dem undead warlock kann sich eigentlich irgendjemand verstecken und in den meisten fällen handelt es sich wohl einen 14-jährigen schweden. aber eigentlich bilden die spieler nur gruppen um dadurch selber weiterzukommen. das wahre ziel ist, so die elite quests und dungeons zu schaffen. ein wahrer austausch zwischen den spielern findet dabei nicht statt, wird auch vom spielaufbau her nicht wirklich gefördert und er kann oft nicht einmal stattfinden, weil die zu lösenden aufgaben einen schlicht und ergreifend zu sehr beschäftigen. wenn mal ein echter austausch stattfindet, zum beispiel ein konflikt, wird er meist ignoriert. nichts darf die gruppe gefährden, alle spieler werden gebraucht um hier fertig zu werden. das zusammensein ist bloss mittel zum zweck.

der zweiten analyse kann ich nur zustimmen und nachdoppeln. WoW zwingt einen zwar sich mit anderen spielern zu befassen, aber auf eine absolut beliebige und oberflächliche weise. ein weiteres riesiges whatever. du bist ein rassist? whatever. du machst frauenfeindliche witze? whatever. du kotzt deinen ganzen frust auf die gruppe aus? whatever. konfliktfähigkeit, sozialer prozess und echter austausch haben keinen platz. viele spieler verlassen am ende einer quest ohne auch nur ein dankeschön oder ein aufwiedersehen die gruppe. bumm. weg sind sie. vielleicht trifft man sich ein paar tage später wieder. vielleicht nie mehr. jeder schaut nur für sich selber.

gestern das unding. ich verlasse eine gruppe mitten während einer elite quest. einer der mitspieler hat mich während der letzten stunde immer wieder aufs übelste beschimpft. die anderen kriegen auch abundzu was ab, aber ich scheine sein liebstes hassobjekt zu sein. dumbass. loser. wtf. ffs. noob. ninja. irgendwann reicht es mir. ich stelle ihn vor die wahl, entweder er hört sofort auf und entschuldigt sich bei mir oder ich verlasse die gruppe. er entschuldigt sich nicht. ich entschuldige mich bei der restlichen gruppe, die, wie mir bewusst ist, ohne mich die quest nicht zuende führen können, und verlasse die gruppe.

ich habe immer noch ein schlechtes gewissen.

ein satz hallt mir gerade im kopf nach. die undead questgiver, bei denen holt man sich gewisse quests ab, sagen einen satz immer wieder “trust no one”. yup. so isses. zum glück habe ich als hunter immer mein haustier dabei, einen weissen tiger namens bling. wenigstens bling kann ich blind vertrauen.

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