Blogumne – 00020 blogless blogawarding

vor lauter Swiss Blog Awards habe ich diese woche kaum gebloggt. sprich, blogbeiträge verfasst habe ich schon; ganze – moment, ich geh rasch nachzählen – 9 beiträge sind seit letzten sonntag entstanden. immerhin. eine durchaus durchschnittliche woche (lol, gibt es auch undurchaus undurchschnittliche?). doch wegen dem SBAW stress konnte ich kaum andere blogs lesen. und mir fehlt dann irgendwas; es fühlt sich so nicht wie richtiges bloggen an. in solchen momenten erlebe ich hautnah, dass blogs tatsächlich ein read-write medium sind, wie es schlauere köpfe als ich erkannt haben. nur write, ohne read, ist eigentlich nur die halbe miete. es fehlt der dialog. monologe führe ich bereits den ganzen tag lang – in meinem kopf. ausser wenn gerade das “ich” mit dem “es” über das “überich” verhandelt. aber, huch, lets not go there.

ja und dann wurde ich letzte woche mal wieder mit der schweizer mentalität konfrontiert. wenn in diesem land jemand den kopf rausstreckt, und ich sage bewusst nicht einmal “oben rausstreckt”, dann kommt bestimmt gleich das grosse nivelierungsmesser und schneidet ihn subito wieder ab. man organisiert also sowas wie die Swiss Blog Awards, bildet sich auch genau gar nichts darauf ein und versucht bewusst immer wieder mit selbstironie das ganze zu entmystifiziern, und doch hört man fast nur kritik. die motzkis, die melden sich bestimmt. da kann man drauf wetten. und bei dieser wette ist jeder noch so monströse einsatz ein garantierter gewinner.

und obschon mir dieses phänomen eigentlich bekannt ist, muss ich doch jedesmal e-mails wie die folgenden erst mal kurz verarbeiten. “ihre website ist grafisch absolut null….schlechte farben…schrift unleserlich…signet dilettantisch…gut gibt es eine â taste” oder “Das ist ja wohl die dümmste Registrierung die ich je gesehen hab. So was von user-unfriendly und kompliziert. Nix mit nominieren halt!” tief durchatmen. tränen runterschlucken. kloss im hals raushusten. nein. ich übertreibe.

klar kann ich solche kritik einordnen. es handelt sich dabei um frust in reinform. die autoren sind wohl mit dem falschen bein aufgestanden, das meerschweinchen ist über nacht abgekratzt, später im bus haben sie sich kaffee übers beste hemd geschüttet, der boss hast sie als erstes im büro zusammengestaucht – dann also nichts wie los ins büro und irgendjemanden flamen gehen. klarer fall. und doch hinterlässt solche kritik einen kleinen stich. und in der summe ergeben die kleinen stiche eine kleine beule.

aber ich bin ja nicht besser. kürzlich hatte ich eine, uhm, sagen wir mal interessante auseinandersetzung mit laurent haug, dem organisator von Lift06. ich hatte hier auf meinem blog die preispolitik (okay, auch die tagline) von Lift06 kritisiert. zu der kritik kann ich inhaltlich nach wie vor stehen. ich finde auch, dass ich sie durchaus konstruktiv formuliert habe; zuerst streiche ich schulbuchmässig ein paar positive punkte heraus, um dann meine kritik anzubringen. laurent hat darauf ziemlich heftig reagiert und in den kommentaren ist es ziemlich abgegangen. spannende sache. aber im licht der jetztigen situation frage ich mich natürlich schon.

eine woche später habe ich mich mit laurent in bern zu einem bier getroffen; okay, ich hatte ein chinotto. und nüsschen. aber egal. dabei ging es interessanterweise genau um diese nivelierungsfrage, die ich oben erwähnt habe. ich war es, der laurent während unserem gespräch sagte, wenn du in der schweiz sowas organisierst wie Lift06 oder die Swiss Blog Awards, dann musst du mit kritik rechnen und umgehen können. du musst sie sogar einladen. schlechte presse ist gute presse. und all solchen müll.

ja ja, die theorie und die praxis. ich hätte wohl dem grafik-experten doch besser nicht so antworten sollen: “und sie fühlen sich hoffentlich jetzt besser nachdem sie ihren frust auf uns herausgekotzt haben. wenn ich fragen darf, was genau qualifizert sie solch vernichtende urteile über die arbeit einer professionellen graphikerin abzugeben?” geantwortet hat er bisher noch nicht. wir sind gespannt …

disclaimer: es gab auch wirklich sehr positiven und konstruktiven feedback. vielen dank. keep it coming. just making a point here.

[to my english readers, if any: sorry, sundays is german day. trying to score a dayjob? maybe]

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