Blogumne – 00021 from always on to suddenly off

kein schüttelfrost, kein nasskalter schweissausbruch mitten in der nacht, kein stundenlanges wachliegen, keine zittrigen hände, keine übelkeit und auch sonst keine entzugssymptome plagen mich. ich schlafe ruhig und viel. mein appetit ist normal, sogar etwas besser als normal. das gegenteil von panik ist der fall, ich atme ruhig und bewusst; und geniesse die kleinen momente, wie wenn ein sonnenstrahl .. nein, zu kitschig. kurz, es geht mir gut.

zur zeit verbringe ich einen monat im wallis in einem haus in den bergen, was in diesem fall heisst ohne breitband internet anschluss! voll retro, mann. ich muss mich hier, jetzt kommts, einwählen!!!11! um online zu gehen. ganz wie früher wird das online gehen dadurch zum aktiven akt. ich muss dazu auf “einwählen” klicken, der computer nuschelt einen moment lang was rum, eine schreckliche und unheimlich vertraute melodie erklingt, irgendwann blinkt es, ein zähler startet und mein computer ist endlich online. aber wem erkläre ich das? den vorgang kennen wir alle zur genüge … von ganz gaaanz früher her.

online sein heisst hier, ich erreiche maximal eine verbindung von sagenhaften – und damit meine ich natürlich sagenhaft langsamen – 56k; naja, zumindest theoretisch. das modem wäre theoretisch zu einem durchsatz von 56k fähig, mein bisheriger verbindungsrekord steht jedoch bei mageren 33k. irgendwo habe ich mal gelesen, bluewin habe ihr gratis internet angebot verkrüppelt. klar, diese information sollte ich jetzt rasch per online suche überprüfen, dieses unterfangen scheitert allerdings bereits am wörtchen “rasch”. so streue ich lieber unfundiertes hörensagen wissen in die welt. selber schuld, bluewin.

seit mehr als 5 jahren surfe ich in bern mit einem breitband internet anschluss der firma *scheisskundendienst* [der name ist der redaktion bekannt] und ich gebe zu, die ersten tage hier sind jeweils ein kleiner schock. mir wird bewusst wie verdammt wichtig mir der permanente zugang zum internet geworden ist. doch viele meiner täglichen anwendungsformen sind an sich absurd. um eine telefon nummer zu suchen surfe ich zu tel.search.ch; das telefonbuch liegt an sich beim telefon. das tv programm studiere ich online; beim tv neben dem sofa gibt es an sich ein programmheft. die rechtschreibung eines wortes überprüfe ich per google suche; der duden steht an sich in griffweite bereit. seien wir ehrlich, bei diesen gewohnheiten geht es vorallem darum auf möglichst elegante weise jegliche überflüssige bewegung zu vermeiden. so ein computer bäuchlein will bekanntlich gepflegt sein. glücklicherweise sind solche faule angewohnheiten schnell abgelegt; soweit kein problem.

probleme gibt es dann, wenn man rasch etwas recherchieren möchte; zum beispiel einen ausflug nach milano, den wir für nächste woche planen, bei dem wir uns die kunst von marina abramovic und anselm kiefer im hangar bicocca anschauen und im joia essen gehen wollen. mit breitband überhaupt kein problem, hier müssen die seiten erst mal laaaaahhhhdddeeeeeennnn… oder wenn man sich filmchen und spielchen herunterladen will, wie zum beispiel dieses spiel; bereits drei mal versucht, ohne erfolg. zu schnell ist es jeweils acht uhr und der zähler springt von akzeptablen .70/h im nachttarif auf perverse 2.70/h im wieauchimmersiedennennentarif.

the good news: offline lebt sich’s eigentlich ganz gut; man findet mal wieder zeit ein buch zu lesen, hey, oder was aufwendiges zu kochen, niamm, oder zu meditieren am morgen, wooo. solche offline zeiten sind wirklich nur positiv. sie helfen einem sich den kopf neu zu ordnen (funzt “neu durchzukämmen” auf hauchdeutsch?) und mal wieder aus gewissen gewohnheiten auszubrechen. in letzter zeit konnte man in den medien einiges über internetsucht lesen und natürlich habe auch ich mich gefragt, ob ich internet süchtig sei. gewisse aspekte des internets habe ich vielleicht suchtartig verwendet, aber jeweils nur phasenweise; mal war es das chatten, und jetzt, vor kurzem, das online gamen. doch sobald ich offline bin und wie hier im wallis durch eine preispolitisch- und geschwindigkeitsbedingte firewall vom internet getrennt bin, sind diese suchtartigen verhaltensweisen schnell wieder weg und fehlen mir eigentlich kaum. weshalb ich auch zögere, ob ich sie tatsächlich als sucht bezeichnen mag. sucht zieht einen entzug nach sich und so einen habe ich noch nie durchlebt. ich stufe diese verhaltensweisen eher als gewohnheiten ein, und gewohnheiten kann man ändern; gewohnheiten soll man sogar gelegentlich ändern, weil routine ist bekanntlich der grösste killer.

diesen beitrag habe ich offline geschrieben. um ihn gleich auf meinen blog posten zu können tönt es hier gleich in etwa so, “da di du da di di da du, chrrrssscchhhhhhhppfffffssschhhee piep blurp”. freut euch auf den ton, er ist nicht nur unheimlich vertraut, sondern auch unglaublich heimelig.

[sorry in german only, try one of the incredible translation services for a remix in english]

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