Blogumne – 00026 die whatever-generation treibts mit jedem

ich kann mich bekanntlich stundenlang aufregen – nein. stop. falsch. ich übertreibe, aufregen ist hier das falsche wort. und stundenlang eh nicht. aber verstehen tue ich es nicht und ja, es nervt mich …

okay, neuanfang: leicht irritiert wundere ich mich immer wieder über die achselzuckende maulfaulheit und die politische ignoranz der meisten graphiker und webdesigner, wenn es darum geht ihre arbeit zu erklären; so geschehen letztes wochenende am offf festival in barcelona. mit wenigen ausnahmen (ze frank, processing) nutzten die meisten dort anwesenden star-designer ihre zeit auf der bühne zu nichts anderem als zum prahlen mit ihren neusten meisterwerken des hippen, urbanen designs, die sie für x-beliebige kunden von pepsi bis schlimmer erschaffen hatten; und sie taten dies ohne dabei auch nur mit einem einzigen satz auf die politischen und kulturellen implikationen solcher auftragsverhältnisse einzugehen.

ich verstehe es wie gesagt nicht. merken denn diese jungs – denn ja, es waren einmal mehr NUR jungs, geez, da wird man ja fast zur feministin – also, merken diese burschen denn eigentlich nicht, wie sie von den global players instrumentalisiert werden um sich coolness und street credibility zu erschleichen? und überlegen sie sich nicht, wie ihre bisher eher als subkulturell geltende ästhetik rasch zum mainstream mutiert und dadurch sowohl ihre frische wie ihre relevanz verliert? das andere grosse problem ist natürlich, dass sich durch die omnipräsenz der immer gleichen technischen mittel, sprich vektorgraphik, sowie durch das internet die graphik international gleichgeschaltet hat und darum langweilig geworden ist. doch wenn sich nun die coca colas und nikes dieser ästhethik bedienen, dann wird sie sehr bald sogar nur noch bieder wirken. das zielpublikum ist nicht doof und lässt sich nicht veräppeln, es durchschaut solche marketing tricks immer schneller. “gähn, schon wieder ein neues viral?”

vielleicht disqualifizere ich mich gerade selber hier, aber für mich enthalten gewisse ästhetische entscheidungen immer auch eine politische, zumindest aber eine kulturelle positionierung. die minimalistische vektorgraphik ist in einem kontext entstanden. sie ist aus der clubbing/techno/underground szene der 90er jahre des letzten jahrhunderts heraus gewachsen, die bekanntlich ihrerseits, lange ist’s her, ihre marginalität verloren hat. und doch blieb die damit verbundene design-sprache lange das symbol einer subkultur, vorallem auch weil sie durch ihre verspieltheit in den formen und ihre einfachheit, ihre abstraktheit auch, nicht wirklich mehrheitsfähig werden konnte. die szene der designer vernetzte sich denn auch primär auf subkulturelle weise. aber wie schnell es doch geht. wenn wie seit ein paar jahren die grossen firmen plötzlich anklopfen, erleben wir sell-out an allen fronten. “we are all prostitutes” hat die pop group um mark stewart bereits in der 80ern proklamiert, aber es kommt ja wohl doch noch ein bisschen darauf an mit wem man trotz allem NICHT ins bett geht, oder?

naja, den vogel abgeschossen hat natürlich wieder mal ein schweizer und zwar der berner flash game-designer ata. im auftrag von microsoft, schweiz hat ata tatsächlich eines seiner “unterhaltungskunststücke” (zitat website) gebastelt. dieses game findet man jetzt unter urheberrecht.ch, einer website die dem kampf gegen die musik-piraterie gewidmet ist. dabei handelt es sich um ein absolut dummes und unlogisches spiel, bei dem man nur mit einem mentalen klimmzug auf die moralische botschaft stösst, nämlich, wie könnte es anders sein, “du sollest nicht illegale inhalte herunterladen”. was ein schiff auf dem wasser mit peer-2-peer netzwerken zu tun haben soll, muss mir mal noch jemand erklären. auf dem wasser muss man entgegenkommenden piratenschiffen ausweichen, bis da kapier ich’s noch so halb, aber fische sammeln gibt punkte … uhm???

ata ist natürlich niemand anderes als ata bozaci der sich als der berner sprayer toast einen internationalen ruf erarbeitet hat. wie sich ein sprayer von microsoft zu einem solchen thema wie die musik-piraterie instrumentalisieren lassen kann ist mir echt schleierhaft. ist es dummheit? ist es ignoranz? ist es beliebigkeit? oder gar geldgier? gut, wer die preise eines ata’schen “unterhaltungskunststückes” kennt, weiss natürlich, dass dort bereits durch die preispolitik eine vorselektion möglicher kunden getroffen wird. ich jedenfalls kann mir eigentlich nur einen noch unpassenderen kunden vorstellen, casa blanca, die berner initiative “für saubere fassaden”. die brauchen unbedingt ein hippes flash game für ihr website.

dabei stinkt das ding so offensichtlich zum himmel, mann. die marketing heinis bei microsoft, schweiz sitzen so rum und überlegen sich, wie können wir unserer unpopulären botschaft ein hippes gesicht verpassen? ou ja, gute idee, wir machen ein spielchen; ja, so ein lustiges, mit voll cooler, jugendgerechter graphik und so. das spiel geht dann viral rum, und yes, alle werden brav wieder vom illegalen herunterladen ablassen. weit gefehlt – weil sooooo durchschaubar. und in meinen augen das grösste poulet ist natürlich der designer, der sich bei diesem plumpen spiel hat einspannen lassen.

disclaimer: alle hier verlinkten websites (ausser ze frank und processing) sind selbstverständlich mit einem rel=”external nofollow” kastriert, hah…

About Jan Zuppinger

Jan Zuppinger has been writing this blog since 2002. He likes to grow vegetables. He likes to eat them too. He has opinions on everything, but sadly no one cares. Jan Zuppinger is not joking, just joking, he is joking, just joking, he's not joking. *click.