Blogumne 00035 – doom gloom

let’s face it, man, the world is doomed. dieser satz geistert mir schon die ganze woche durch den kopf. solche sätze kommen mir meist auf englisch. warum eigentlich? es tönt dann irgendwie grösser, cinematographischer. pathos geht leichter auf englisch. sex übrigens auch. naja, auf deutsch tönt’s zwar irgendwie braver, aber eigentlich geht’s auch; (let’s face it, man, kann ich jetzt nicht übersetzen) die welt ist zum untergang verdammt.

let’s face it, alles wird immer schlimmer. nur schon was in diesen letzten paar wochen an untergangsmeldungen rauskam, müsste eigentlich reichen, um uns komplett zu demoralisieren. dabei konzentrieren wir uns immer bloss auf gewisse modethemen, während die anderen, zum teil viel grundlegenderen probleme keinesfall gelöst sind. neben den kriegen, überall und endlos, und der permanenten terrorbedrohung, degradieren armut, hunger, soziale ungerechtigkeit und aids zu banalen nebenschauplätzen. flott steuern wir auf ein ökologisches supergau zu, fokusieren in diesem sommer auf die gletscher, die wegschmelzen, was die berge zum einstürzen bringt, und vielleicht noch ein wenig auf die amoklaufenden, saisonalen wetterbedingungen. die wirklich gravierenden probleme – ozonloch, erdöl, atomenergie, wasserknappheit – werden unter den tisch gewischt. dazu haben wir absolute spinner an der macht, die bushs, blairs, merkels, blochers und wie sie alle heissen, die all dies komplett ignorieren.

irgendwann greift das prinzip hoffnung nicht mehr. world = doomed.

der auslöser für diese endzeitstimmung war eine an sich eher banale beobachtung, die ich letzten dienstag in turin gemacht habe. auf unserer jährlichen flucht vor dem 1. august sind wir dort in eine bar gegangen, um ein aperitiv zu trinken. hinter der theke lief die ganze zeit das wasser. dabei handelte es sich nicht etwa um einen feinen strahl, der da ins waschbecken getrickelt wäre. nein, das wasser lief vollgas – oder sagt man in diesem fall volles rohr oder voll hahnen. die ganzen 15 minuten, die wir da an der bar standen lief es, literweise, ungenutzt den abfluss runter. ich ging auf die toilette und kam wieder zurück. das wasser lief immer noch. im süden von italien herscht zur zeit wasserknappheit – wie jeden sommer.

dabei ist mir sehr wohl klar, dass solche formen der wasser verschwendung nichts sind, im vergleich zur begrünung der wüste zum beispiel und anderen absurditäten. aber trotzdem, ich schaute mir diese situation an und mir wurde wieder mal klar, we are doomed. es gibt keine hoffnung. ich kann noch so vorsichtig sein, mit wasser sparsam umgehen, bewusst konsumieren, brav meinen müll recyclen, mein auto möglichst selten und nur mit sehr schlechtem gewissen benutzen, es macht nicht den kleinsten scheissdreck von einem unterschied aus. denn für jeden der wie ich vorsichtig ist, gibt es zwei idioten, die sechsmal mehr verschwenden. die bilanz ist also immer negativ. die zyniker werden gewinnen. und nichts kann ich dagegen tun, nicht einmal irgendetwas sagen kann ich in solch einer situation. wenn ich der frau hinter der theke in der bar gesagt hätte, sie solle doch bitte das wasser abstellen, dann wär ich ja voll die lachnummer gewesen. der moralisierende prinzipienreiter. der arrogante besserwisser. ich hätte den leuten in ihr recht auf selbstbestimmung reingeredet und zu diesem gehört offenbar das recht auf verschwendung. individualität ist uns bekanntlich höchtes prinzip, selbst autofahrer haben ihre lobbies. menschen, die versuchen einen unterschied zu machen, werden nur noch als gutmenschen belächelt.

und wie löscht man eigentlich einen solchen satz wieder aus seinem hirn? wie plant man karrieren, kinder, ein leben? da hilft nur die doppel-negation: kopf in den sand und durch. let’s not face it, man, the world is not doomed.

About Jan Zuppinger

Jan Zuppinger has been writing this blog since 2002. He likes to grow vegetables. He likes to eat them too. He has opinions on everything, but sadly no one cares. Jan Zuppinger is not joking, just joking, he is joking, just joking, he's not joking. *click.