Was für eine Geschichte: Piero Esteriore hat seinen schwarzen Luxuswagen – eigentlich gehört der Mercedes offenbar seiner Mamma – in das Glasportal des Ringier-Gebäudes gerammt. Diese Story lief gestern wie ein Lauffeuer durch die Schweizerische Medien-Landschaft. Es ist eine Geschichte, wie sie eigentlich nur der Blick erfinden kann.

bild vom blick ausgeliehen
Dem ehemaligen “MusikStar”-Kandidat mit italienschen Wurzeln sind nach der Lektüre eines kritischen Artikels im Blick die Sicherungen durchgebrannt und er hat sich in einen amokartigen Racheakt gegen das Verlagshaus hineingesteigert; seine Wut richtete sich wohl stellvertretend gegen einen Vertreter derselben Medien, die ihn vorher “künstlich” zum Star aufgebauscht hatten, und ihn inzwischen bloss noch wie eine Lachnummer abkanzeln. Die Geschichte trieft vor Tragik, welche so vieles aussagt, über dieses leidige Phänomen der Realityshow-Berühmtheiten… Piero Esteriore dürfte bald zum Modellfall aller Medienwissenschaftsstudierenden werden, die sich mit dem Phänomen befassen.
Ich gebe zu, ein paar Lacher konnte ich mir nicht verkneifen, doch vorallem tut mir Piero wirklich sehr, sehr leid. Wie muss er sich jetzt bloss fühlen? Die Wut dürfte sich inzwischen allmählich gelegt haben, und das grosse Was-habe-ich-bloss-getan Gefühl sich breitgemacht haben. Der besagte Artikel, der Stein des Anstosses, ist tatsächlich haarscharf am Limit des Akzeptablen. Da wimmelt es von kulturellen Clichees zum Teil fast schon rassistischer Art, und einige der Aussagen sind tief unter der Gürtellinie. Darf der Mafiosi-Vergleich wirklich nicht fehlen, sobald es sich um einen Italiener handelt? Nichts rechtfertigt natürlich einen Ausraster, wie ihn Piero vollbracht hat, doch irgendwie versteht man den armen Kerl.
Was gleich kommt mag wie eine schwerwiegende Unterstellungen klingen, und trotzdem lässt sich dieses komische Gefühl nicht abschütteln. Ist es nicht fast schon unglaublich, dass Blick Online gerade mal zwei Tage nach seiner Neulancierung, mit einer solchen Story auftrumpfen kann? Der Ansturm auf ihr Website war gestern zwischenzeitlich so gross, dass der Server überlastet war und das Video offline genommen werden musste. Ausserdem wird ausgerechnet heute Piero’s neue CD “Io Vivo” erscheinen. Tönt nach win-win. Hmmmm…
Da kommt man ja direkt auf Ideen in Bezug auf meinen neuen Arbeitgeber, den eBund. Eventuell liesse sich, so kurz vor den Wahlen, ein erboster Politiker finden, der die Bund-Redaktion auf solche oder ähnliche Weise attakiert? Die Story bringen wir dann exklusiv auf dem eBund, und der Rest ist Geschichte. Ha.

Unser Eingang liegt blöderweise in einer sehr engen Passage, Autos reinrammen müssen wir also leider vergessen. Wenn die doofen Baldachinstützen auf dem Bahnhofsplatz bloss nicht zu kurz geraten wären, könnte sich allenfalls jemand von dort aus zu uns hochschwingen. Nein, geht auch nicht. Von einem Kran aus?

Sagen wir es doch einfach so: etwas Kreativität wäre gefragt. Vielleicht hat ja jemand eine gute Idee. Aber wahrscheinlich ist all dies eh nicht Bund-Style, wie wohl auch dieser Blog-Beitrag es nicht ist. Weshalb er bei mir erscheint…
Tags: blick, musicstar
Der Gabriel 03:19:42 on 6.10.2007 Permalink
verschwörungs-theorien sind scheisse. nuff said. reichen 100 zeugen nicht?
j. zup[ping]er 04:56:36 on 6.10.2007 Permalink
nein, um eine verschwörungstheorie handelt es sich hier keinesfalls. wer kann schon in diesem zusammenhang das wort verschwörung benutzen? verschwörung impliziert viel gewichtigere absichten, ziele, mittel und wege. ich beschreibe es als eine “funny coincidence”, die definitiv für die verschiedenen parteien eine win-win situation repräsentiert, indem ihre neuen produkte massive promo erhalten.
ausserdem: piero hat bei seiner entlassung “io vivo” gerufen; der ringier-verlag auf strafanzeige verzichtet. und ich verkneife es mir “and i rest my cast” zu sagen…