die medien gemachte schlacht von bern

alle zeigen momentan mit fingern auf daniele jenni oder die polizei oder die chaoten oder das schwarze schaf, doch mein finger zeigt in eine andere richtung: auf die medien. diese ganze geschichte ist zu einem riesigen prozentsatz medien gemacht. die rolle der medien bei dieser ganzen geschichte um die “krawalle in bern” war wieder einmal saumässig unverantwortungsbewusst. es ist wirklich zum kotzen.

warum wird fast nur über die zerstörung berichtet?

bereits im vorfeld wurde die sache in den medien während wochen aufgebauscht, nein, heraufbeschwört, ist das korrekte wort hier. und in der nachbearbeitung fokusieren die medien wiederum nur auf die randale, die sachbeschädigungen, auf ihr produkt eigentlich; auf die story, die sie in dieser form mitprovoziert haben. die berichterstattung hätte sehr wohl auf das friedliche fest auf dem münsterplatz fokusieren können, wo über den tag verteilt 6000 leute eine wirklich gelungene protestveranstaltung gegen den rassimus gefeiert haben. stattdessen wird nur über die paar hundert randalierenden berichtet.

ganz fest gegen rassismus

warum diese route?

warum fragt (fast) niemand die richtigen fragen: warum bloss hat die SVP ausgerechnet auf diese route insistiert für einen marsch, der bereits in seiner anlage als riesige provokation gelten muss, speziell wenn er in der rotgrünen hochburg bern stattfinden soll?

die meisten demos beginnen seit eh und je bei der schützenmatte, nicht am aargauerstalden. letzterer ort liegt strategisch sehr schlecht: weit ab vom bahnhof, ohne gute parkmöglichkeiten in unmittelbarer nähe sowie ausserhalb der nydeggbrücke und dadurch an einem sehr leicht kontrollierbaren ort. wieso bloss wollte die SVP ihren marsch ausgerechnet dort beginnen?

falls die schützenmatte wegen ihrer nähe zur reitschule nicht ging, wäre eine andere variante gewesen, sich direkt auf dem bundesplatz zu besammeln. auch zu diesem platz gibt es mehrere zugänge, und nicht bloss ein nadelöhr, wie es eine brücke immer darstellt.

ich bin kein geschichtsexperte, aber selbst mir ist bekannt, dass die brücke am unteren ende der aareschlaufe eine der schutzmassnahmen darstellte, zu zeiten als bern noch ein eigenständiger staat war und sich gegen mögliche eindringlinge schützen musste. brücken sind bekanntlich leicht kontrollierbar.

träumt weiter!

hat die polizei keinen funk?

beim bundesplatz sind meines erachtens die schlimmsten und verurteilunsgwürdigsten gewaltakte geschehen. doch auch hier geht etwas nicht ganz auf: warum wurden ausgerechnet zum zeitpunkt als grenadiere eine gruppe von vermummten aus der unterstadt richtung bundesplatz getrieben haben, die bewachung vom diesem abgezogen? hat die polizei etwa keinen funk, oder was? der polizeidirektor gesteht den fehler ein, seine leute vom bundesplatz abgezogen zu haben. unerwähnt bleibt, dass die gruppe von protestierenden gleichzeitig von anderen polizisten dorthin getrieben wurden und als sie den platz unbewacht vorfanden, fingen die zerstörungsakte an. das timing wirkt verdächtig, fast zu perfekt.

no svp

ich erwarte, dass in der berichterstattung solche und ähnlich fragen aufgegriffen und reflektiert werden, sonst müssen sich die medien den vorwurf gefallen lassen, dass sie von den xenophobischen nationalkonservativen politikern für ihren wahlkampf instrumentalisiert werden.

indymedia: Die Linken und Netten schlagen zurück…
habi: ganz fest gegen rassismus

nachtrag: peter camenzind, .ch, erwähnt als einziger (meines wissens), dass die gruppe die später auf dem bundesplatz wütete, von polizisten dorthin getrieben worden war. im gegenzug sind auf den bildern von uwe schädelin, die im .ch abgedruckt worden sind, deutlich gesichter der protestierenden auszumachen. damit wird ein wichtiger codex der pressefotographen gebrochen. hier sind leute erkennbar, die jobs haben, zur schule gehen, söhne und töchter sind, die jetzt hoffentlich nicht wegen diesen doofen fotos mit schikanen rechnen müssen.

und noch mehr links:

Abt. Headliner: Einer aus’m Schwarzen Block (?) auf der Front der NYT
NYT: Immigration, Black Sheep and Swiss Rage
Switzerland reeling as radicals create havoc at rightwing political rally
Die Schweizer Volkspartei – Wer den Hass sät
Krawalle gegen Rechtsausleger
das fantastische cover der TAZ

Voting des Tages auf .ch: Schadet die SVP dem Schweizer Image im Ausland? Ja : 75.3% Nein : 24.7% Weiss nicht: 0%

About Jan Zuppinger

Jan Zuppinger has been writing this blog since 2002. He likes to grow vegetables. He likes to eat them too. He has opinions on everything, but sadly no one cares. Jan Zuppinger is not joking, just joking, he is joking, just joking, he's not joking. *click.